Wärmebild-Vorsatzgeräte

Eine Freigabe der jagdlichen Nachtzieltechnik muß zwingend einhergehen mit einer Erhöhung der Sicherheit!

Das ist nur bei lichtverstärkender Zieltechnik möglich. Wärmebildzieltechnik ist hier kontraproduktiv, denn damit wird genau das Gegenteil erreicht!

Wir lehnen Wärmebild-Vorsatzgeräte zum Schießen deshalb strikt ab und raten vom Kauf solcher Geräte dringend ab !

 

Unsere Meinung zum Schießen mit Wärmebildtechnik mag vielleicht für den einen oder anderen Jäger ersteinmal befremdlich klingen. Doch die Jagdpraxis sieht anders aus als die Werbung! Lesen Sie weiter!

Unbestritten und unumstößlich ist: Alle nachfolgend beschriebenen Fakten sind technisch-physikalisch, wissenschaftlich und jagdpraktisch einwandfrei belegt. Die explosionsartig angestiegene Zahl von Jagdunfällen bei der Nachtjagd mit Wärmebild-Technik spricht zu dem eine glasklare Sprache.

Die Regierung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen hat dieses sehr früh erkannt und das Schießen mit Wärmebildtechnik explizit verboten!

Soviel Sachverstand und Verantwortungsbewußtsein würden wir uns von allen Verantwortlichen in den für die Gesetzgebung zuständigen Ministerien wünschen!

 

Die Ablehnung des Schießens mit Wärmebild hat sehr viele gewichtige Gründe:

  • Vermehrt kommt es durch die Klemm/Knebelmontage von objektivseitigen Vorsatzgeräten und bedingt durch die hohe Masse und den daraus resultierenden starken Rückstoßkräften zu schweren Beschädigungen des Zielfernrohres (Glasabsplitterungen der Objektivlinse im Bereich der Klemmung!) und Problemen mit der Montage. Siehe auch folgenden Testbericht (analog zu Wärmebildvorsätzen): https://www.geartester.de/articles/3183
  • Hindernisse in der Geschoßflugbahn wie Äste, Zweige, Blätter, Halme, Gräser usw. haben oft die gleiche oder eine sehr ähnliche Temperatur wie der Hintergrund. Sie sind mit dem Wärmebildgerät deshalb nicht oder so gut wie nicht zu erkennen. Folge: Geschossablenkung, übelste Treffer, komplizierteste Nachsuchen (Nähere Erläuterung s.u.)
  • Dieser Effekt des „Nichtsichtbarseins“ wird noch verschärft durch Hindernisse zwischen Schütze und Ziel, die außerhalb des Fokus liegen: Wird das Wärmebildgerät auf ein Stück Schwarzwild auf 100 Meter scharf gestellt, so sind Hindernisse im Nahbereich von 70 bis 0 Meter zunehmend diffuser, unschärfer und somit weniger sichtbar oder sogar unsichtbar. Folge: Bekannt (Nähere Erläuterung s.u.)
  • Teilverdeckte Wärmebilder suggerieren ein imaginäres, irreales Bild. Dieses gaukelt dem Schützen ein Ziel vor, was sich im Nachhinein als etwas komplett anderes herausstellen kann.  Lebensgefahr!
  • Entfernungseinschätzung ist mit Wärmebild extrem schwierig  (Man sitzt nicht immer auf dem selben Hochsitz und man ist nicht immer im eigenen, bekannten Revier unterwegs)
  • Nur geringe Vergrößerung möglich, oft verpixeltes Bild und fehlende Detailerkennbarkeit, daher ist Ansprechen schwierig
  • Treffpunktabweichungen bei unterschiedlichen digitalen Vergrößerungsstufen möglich, Geräte müssen immer eingeschossen werden, es kann zu Problemen mit der Wiederholgenauigkeit kommen.
  • Oft ist beim Hintergelände im Bereich des Überganges zum Horizont nicht erkennbar, ob Kugelfang gegeben ist. Lebensgefahr!
  • Vermeintlich etwas bessere Sicht bei Nebel: Vorsicht! Hintergelände nicht einsehbar, daher nicht erkennbar, ob Kugelfang vorhanden ist. Lebensgefahr!
  • Es kommen zunehmend billigere Geräte mit preisbedingt minderer Abbildungs-Qualität auf den Markt, dieses verschärft die Problematik!
  • Manche Geräte “shuttern” gerade im Moment der Schußabgabe, d.h. der Schütze sieht in diesem moment ein eingefrorenes  “Standbild”
  • Meteorologische, atmosphärische und jahreszeitliche Einflüsse (Windchill, Luftfeuchtigkeit, Aerosolgröße, Temperaturwechsel, Taupunkt, Veränderung des Hintergrundes…) verursachen sehr dynamische und deutliche Bildveränderungen, Situationen sind nie gleich, das macht die Beurteilung der Lage beim Schießen mit WBG so schwierig, trügerisch und gefährlich!
  • Wärmebild = Pseudo-Sicherheit. Kein reales Bild im Sinne des herkömmlichen Sehens!  Man überträgt das gesehene Wärmebild 1:1 auf das normale Sehen und lässt sich zum Schuss verführen. Man ist sich sicher, das Ziel klar identifiziert zu haben.  Der Schütze wird noch vor dem Richter schwören, dass er eindeutig auf eine Sau geschossen hat. Warum dann am Anschuß ein Pferd, eine Kuh oder gar ein Mensch liegt, ist ihm unverständlich. Es kommt häufiger zu solch fatalen Fehleinschätzungen.  LEBENSGEFAHR!
  • Der Mensch weiß aus Erfahrung: Wenn ich nichts sehe, ist auch nichts da. Kann ich also kein Hindernis sehen, ist auch keines da. Dieses ist in der Welt der Wärmebildtechnologie FALSCH oder zumindest sehr trügerisch.  Bedingt durch den sogenannten “Cross-Over-Effekt” ist es häufig der Fall, dass Hindernisse in der Geschoßflugbahn für das WBG nicht detektierbar sind und somit nicht zur Anzeige gebracht werden können. (s.o.) Sie sind aber sehr wohl vorhanden! Bei Berührung mit einem Hindernis (oft reicht bei modernen Büchsenpatronen ein Grashalm!) wird das Geschoß mit hoher Wahrscheinlichkeit  abgelenkt, es zerlegt, zersplittert oder überschlägt sich. Die Folge sind unberechenbare, schlechteste Treffer oder übelste Teiltreffer von Geschoßfragmenten, schwerste Verwundungen, total unnötiges Leid fürs Wild und komplizierteste Nachsuchen.

All dieses wird auch dem “innovativsten” und “technikgläubigsten” (Auslands-) Jäger einleuchten.

Physik ist nicht verhandelbar! Sie gilt für JEDEN, jederzeit und überall!

Wenn er nur ein wenig überlegt und auch nur halbwegs waidgerecht jagen möchte, wird er deshalb den auf den ersten Blick zwar oftmals verlockenden Gedanken an Wärmebildtechnik zum Schießen schnell verwerfen. Oft gehörte Argumente wie: “… da kann ich auch schießen wenn etwas Nebel ist”  oder  “…. ich kann Beute machen selbst wenn das Stück im Bestand steht” oder “mit Wärmebild kann ich dann noch ein 2. Stück erlegen” degradieren den “Jagdscheininhaber” zu einem (sorry für den folgenden Ausdruck) schießgeilen Killer. Die Verwendung von Wärmebildtechnik zum Schießen widerspricht n.u.M. ganz klar den Grundsätzen der Waidgerechtigkeit!!!

Wir wollen jagen, wir sind nicht im Krieg!

Wer Wärmebildtechnik zum Schießen nutzen möchte oder nutzt, ist auf dem besten Weg, die Jagd allgemein in Frage zu stellen, massiv das Ansehen der Jagd zu schädigen sowie die Jäger zu reinen Schädlingsbekämpfern herabzustufen. Wir wollen waidgerecht jagen, exakt ansprechen, sicher schießen, sauber erlegen und nicht eine Schußabgabe um jeden Preis, mit unkalkulierbarem Risiko und auf Kosten der Sicherheit!

Das perfide an WB-Technik beim Schießen ist, dass viele der o.a. Probleme nicht permanent sondern nur gelegentlich und dann auch nur vereinzelt in unterschiedlichen Kombination miteinander auftreten. Dieses wiegt die Anwender in Sicherheit und birgt eine latente Gefahr. Viele Anwender von WB-Technik zum Schießen sehen das anders, das liegt an mangelndem Wissen und  Verständnis um/für diese Technologie und die Hintergründe sowie um die (zum Glück) noch nicht gemachten oder nicht erkannten Fehlschüsse.

Sicherheitsregeln werden mit Blut geschrieben! Muss unnötigerweise immer erst etwas passieren? NEIN!

Deshalb ganz klare Aussage: Finger weg von Wärmebild zum Schießen!

Es besteht übrigens keine Notwendigkeit für Wärmebild zum Schießen. Es gibt eine bewährte, viel sichere und deutlich risikoärmere, ausgereifte, präzisere und leistungsstarke Technik zur Verfügung, die dem menschlichen Tag-Sehen sehr nahe kommt: Nachtsichttechnik mit Restlichtverstärkung.

Fazit: Wärmebildtechnik ist zum Beobachten, zum Detektieren von Wild, zur Nachsuche u.v.m.  faszinierend und genial, zum Schießen aber fatal!

Wie schon beschrieben: Bei Fragen bitte unbedingt anrufen. 05722 – 8 00 00 00